29.07.2021
5 Minuten Lesezeit

Digitalisierung trifft Bahnpraxis

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Sebastian Haid, Sensonic Product Owner im Bereich Train Tracking blickt auf die Exkursion mit dem HPI am SRCC zurück. Kollaborationen wie diese sind der Schlüssel, um die Herausforderungen der digitalen Transformation in der Bahnbranche zu lösen.

Der Digital Rail Campus im sächsischen Erzgebirge etabliert sich zum Treffpunkt für Vertreter innovativer Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Hier werden verschiedene Ansätze, die der Bahnindustrie das volle Potenzial der Digitalisierung eröffnen, im Feld erprobt. Für Sensonic bietet der Campus darüber hinaus optimale Möglichkeiten, um sich mit anderen Stakeholdern auszutauschen, die diese Bewegung in der Branche vorantreiben.  

Digitale Lösungen sind keine Einbahnstraße

Testanlagen wie jene in Annaberg-Buchholz, Scheibenberg und den umliegenden Strecken ermöglichen die aktive Zusammenarbeit verschiedener Stakeholder. „Es ist wichtig zu verstehen, dass die Entwicklung solcher Lösungen keine Einbahnstraße ist“, betont Sebastian Haid. Er ist Product Owner des Bereichs Train Tracking bei Sensonic. „So wie wir die Anforderungen der Bahn und ihrer Kunden verstehen müssen, muss auch die Bahnindustrie die Herausforderungen erkennen und verstehen, die digitale Technologien mit sich bringen. Unsere Lösung generiert etwa aus gewonnenen Daten einen digitalen Zwilling – also ein hochgenaues, digitales Abbild aller Vibrationen entlang der physischen Infrastruktur. Diese werden mit jeder weiteren Zugüberfahrt aktualisiert. Intelligente Algorithmen extrahieren daraus Informationen über spontan entstandene Defekte, wie Schienenbrüche, oder langfristige Entwicklungen, etwa Veränderungen des Schienenkopfs. Die Bahn muss ihrerseits lernen und überlegen, wie diese Informationen bestmöglich in den Betrieb eingebunden werden können. Der Digital Rail Campus ist ein perfekter Ort, um dieses gegenseitige Verständnis zu schärfen. Hier können wir völlig neue Ansätze direkt erproben. Gemeinsam mit den Betreibern evaluieren und optimieren wir diese Ideen im Anschluss direkt weiter. Zudem werden hier Forschungsinstitute von technischen Universitäten eingebunden, wodurch sich ein unglaublich reichhaltiger Wissenspool ergibt, von dem alle profitieren“, führt er weiter aus.

Gelebte Vernetzung: Bahn trifft Forschung

Wie diese Vernetzung in der Praxis aussieht, zeigte erst kürzlich eine Exkursion, die vom Hasso Plattner Institut (HPI) organisiert wurde. Am 23. und 24. Juni 2021 trafen Studierende von verschiedenen Universitäten aus ganz Deutschland im Hörsaal der Digital Rail Summer School (DRSS) in Jöhstadt zusammen. Die Einrichtung ist ebenfalls Teil des Digital Rail Campus. Den Auftakt bildete hier ein Vortrag zum Thema Fiber Optic Sensing (FOS) und den Möglichkeiten, die diese Technologie einer digitalisierten Bahn bietet.

Echtzeitüberwachung am Gleis erleben

Am Nachmittag wechselte die Gruppe in den Erprobungsbahnhof in Scheibenberg. Die Exkursionsteilnehmer konnten dort die Anlagen von Sensonic am Digitalen Testfeld Bahn in Augenschein nehmen. Das Wirkprinzip des Fiber Optic Sensing und die Anwendung maschinellen Lernens und von KI-Methoden zur Analyse der FOS-Signale konnte anhand voraufgezeichneter Daten studiert werden. Danach ging es ins Gleis. Ausgestattet mit iPads konnten die Projektteilnehmer während der Tour entlang des Gleiskörpers die Signale aufnehmen, die von der Gruppe selbst verursacht wurden. In zwei gezielten Experimenten wurden die akustischen Signaturen aufgezeichnet, die beim Öffnen von Kabeltrogabdeckungen und beim Graben neben dem Gleis entstehen. Weitere Signale wurden etwa von einem Zweiwege-Bagger verursacht.

Digitale Lösungen gemeinsam entwickeln

Die Daten, die während dieser Exkursion am Gleis entstanden, wurden den Studierenden von Sensonic im Anschluss zur Verfügung gestellt. Mit dem Grundlagenwissen zu maschinellem Lernen und Data Science-Methoden werden sie nun Modelle trainieren und ihre Ergebnisse im Rahmen der Abschlussveranstaltung der DRSS 2021 im September in Jöhstadt präsentieren. Sensonic nimmt in diesem Rahmen die Expertenrolle ein und ergänzt die gewonnenen Erkenntnisse um praktische Erfahrungen. „Wir freuen uns auf die Erkenntnisse, welche die Studierenden mit ihrer Expertise im Bereich Data Science gewinnen werden. Während ihnen damit ein Modell zum Testen verschiedener Ansätze zur Verfügung steht, erhalten wir wertvolle Inputs, die in die laufende Entwicklung unserer Softwarelösung einfließen kann“, zeigt sich Haid erfreut.

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